Heft 10

Klaus Goldhammer/Eduard Scholl

Nachrichtennutzung online

Marktanalyse privater und öffentlich-rechtlicher Informationsangebote im Internet

Die Rolle öffentlich-rechtlicher Angebote im Internet ist immer wieder Gegenstand medienpolitischer Diskussionen. Der Frage, inwiefern gesetzliche Beschränkungen noch zeitgemäß sind, setzen vor allem die Verlegerverbände die Einschätzung entgegen, dass öffentlich-rechtliche Informationsangebote im Internet privatwirtschaftliche Angebote im Bereich Nachrichten und Information verdrängten. Mit Hilfe einer Marktanalyse sowie einer repräsentativen Befragung von 1 600 OnlineNachrichtennutzern wurde die empirische Relevanz dieser Argumente untersucht.

Der Markt für Onlinenachrichten ist stark fragmentiert und hoch dynamisch: Insgesamt wurden 362 unterschiedliche Informations- und Nachrichtenangebote ermittelt, die zu Informationszwecken genutzt wurden. Während sich die Hauptnutzung auf wenige Marken konzentriert – die Top 10 im Markt machen 52 Prozent der Nennungen aus –, verteilt sich die restliche Nutzung auf mehrere Hundert Anbieter. 

In einem derart fragmentierten Markt liegt der Anteil an Nennungen von Informationsangeboten von Pressemedien (Nutzung gestern) mit 53 Prozent um mehr als das Vierfache höher als der Anteil aller Nennungen öffentlich-rechtlicher Rundfunkangebote. Geht es um die Gunst der Nutzer von Onlinenachrichten, sind es vielmehr die privaten Angebote ohne Rundfunkbezug – wie etwa die News-Angebote von E-Mail-Anbietern –, die mit einem Anteil der Nennungen von 28 Prozent zu den schärfsten Konkurrenten der Pressemedien zählen. Aber auch Suchmaschinen und soziale Medien haben sich als News-Aggregatoren und Zugangsweg zu Nachrichten im Internet fest etabliert.

Für Nutzer von Onlinenachrichten ist Text die mit Abstand meistgenutzte Medienform, die sie anderen Formaten wie Video oder Audio vorziehen. Die Präsentation von Nachrichten und Informationen im Internet in Form von Texten korrespondiert dabei nicht nur mit den Nutzergewohnheiten, sondern entspricht auch den Anforderungen, die von den Nutzern an die Online-Nachrichtenangebote gestellt werden. Bezogen auf die öffentlich-rechtlichen Nachrichtenangebote im Internet wünschen sich vier Fünftel der Befragten den Einsatz von Textinhalten zur Information.

Die Ergebnisse zeigen: Die Marktsituation von Onlinenachrichten und -informationen liefert keine Belege für eine quantitativ bedenkliche oder gar dominierende Marktbedeutung von ARD und ZDF.

MP 10/2017, S. 486-492



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