Heft 2

Ursula Dehm/Dieter Storll/Sigrid Beeske

Das Internet: Erlebnisweisen und Erlebnistypen

Sich ergänzende und konkurrierende Gratifikationen durch Fernsehen und Internet

Für eine Mehrheit der Bevölkerung gehört das Internet mittlerweile selbstverständlich zum genutzten Medienkanon dazu. Welche Erlebnisweisen bietet das es den Menschen? Bietet es ähnliche Erlebnisweisen wie das Fernsehen oder steht ein ganz anderes Erleben im Vordergrund?

Ausgangspunkt der Studie ist eine von ZDF und forsa im Jahr 2003 durchgeführte Befragung zum Fernseherleben. Darin hatte sich gezeigt, dass unabhängig von den Inhalten fünf Dimensionen das Fernseherleben der Zuschauer prägen, nämlich Emotionalität, Orientierung, Ausgleich, Zeitvertreib und Soziales Erleben. Ermittelt wurden diese Dimensionen anhand von 20 Gratifikationsitems. Anfang 2005 wurden für die vorliegende Untersuchung 552 Internetnutzer der Basisstudien-Stichprobe erneut befragt und geprüft, inwieweit die Gratifikationserwartungen auch auf das Interneterleben zutreffen.

Für das Internet erweist sich die Orientierungsleistung als die wichtigste Dimension, gefolgt vom emotionalen Erleben. Gut jeder Dritte sieht das Internet als Zeitvertreib, jedem Fünften bietet es Ausgleich (z.B. Ablenkung von Alltagssorgen und Ärger) und Soziales Erleben (sich im Alltag zurechtfinden, das Gefühl, dazuzugehören, etc.

Im Vergleich mit dem Fernsehen zeigen sich bei den Befragten deutliche Unterschiede zum Interneterleben. Das emotionale Erleben (vor allem die Entspannungsfunktion), aber auch Ausgleich spielen beim Internet eine geringere Rolle; diesbezügliche Erwartungen werden vom Fernsehen besser erfüllt. Demgegenüber sind Zeitvertreib und Soziales Erleben beim Internet wichtiger. Der Wunsch nach Orientierung wird vom Internet ebenso gut bedient wie vom Fernsehen, wobei zu berücksichtigen ist, dass der hier verwendete Orientierungsbegriff sich nicht speziell auf politische Information, sondern insgesamt auf "Neues" aller Gebiete bezieht. Allerdings zeigen sich bei den verschiedenen Erlebnisweisen soziodemographische Unterschiede. So konkurriert das Fernsehen vor allem bei den Jüngeren mit dem Internet, insbesondere im Hinblick auf Soziales Erleben.

Insgesamt kristallisieren sich auf der Basis der Internet-Erlebnisdimensionen vier Erlebnistypen heraus (hedonistische Teilhaber, wissbegierige Gewohnheitssurfer, neugierige Ausgleichssurfer, distanzierte Info-Surfer), deren Charakteristika sich nach Mediennutzungs- und Freizeitnutzungs-Merkmalen unterscheiden.

MP 2/2006, S. 91-101



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