Bremen Vier: Jens-Uwe Krause

Ein gesundes Maß an Selbstironie …

Name: Jens-Uwe Krause
Morningmoderator seit:18 Jahren
Sender: Bremen Vier

Der 7-jährige Sohn einer Freundin fragt Sie, was Sie eigentlich so beim Radio machen. Was antworten Sie ihm?

Ich erzähle im Radio über Sachen, die aktuell spannend, wichtig oder lustig sind. Auf diese Weise erfahren die Zuhörer oft Neues aus ihrer eigenen Stadt oder sogar aus der ganzen Welt.

Ein Tag als Moderator. Wie sieht der aus?

Mein Arbeitstag beginnt kurz bevor ich frühmorgens das erste Mal im Radio zu hören bin. Da ein Großteil der Themen, die in der Sendung vorkommen, bereits am Tag vorher feststehen und redaktionell so weit wie möglich vorbereitet wurden, gehe ich entsprechend vorbereitet und gebrieft in die Sendung. Themen, die sich aktuell ergeben, werden während der laufenden Sendung in Zusammenarbeit mit den anwesenden Redakteuren spontan umgesetzt. Unmittelbar nach der Sendung wird ein zehnminütiger Podcast produziert, in dem u. a. über die zurückliegende Sendung gesprochen wird oder Gedankengänge aus der Sendung fortgesetzt werden. Anschließend wird gemeinsam mit den Redakteuren darüber nachgedacht, welche Themen für die Sendung des folgenden Tages relevant sein könnten und wie man diese möglichst originell und hörernah umsetzen könnte. Nach diesem Brainstorming endet die Arbeit im
Sender. Nachmittags lese ich mich dann in die Rechercheergebnisse der Redaktion ein und ergänze sie ggf. noch durch Eigenrecherche.

Wenn Ihr Radiosender ein Raumschiff wäre, was wäre dann Ihre Funktion als Besatzungsmitglied? Und warum?

Gemessen am „Raumschiff Enterprise“ wäre ich wohl so etwas wie Mister Spock, also jemand, der die Ereignisse versucht zu analysieren und zu bewerten. Und das nicht ohne eine gelegentliche Portion Sarkasmus.

Die fünf wichtigsten Eigenschaften für eine gute Moderatorin/einen guten Moderator?

Spontanität, Stressresistenz, Teamfähigkeit, Empathie, Humor

Ein liebgewonnenes Ritual in Ihrem Beruf?

Vor Beginn der Sendung: Das Bereitstellen eines großen Bechers Kaffee, eines noch größeren Bechers voll Wasser und einer Kanne frisch zubereiteten Ingwertees

Ein ganz persönlicher Radio-Moment in Ihrem Leben? (Er muss nicht unbedingt aus der jüngsten Vergangenheit stammen.)

2006 habe ich die von mir selbst ins Leben gerufene Bratpfannen-Tischtennismeisterschaft "Pan Pong Open" mit Hörern und Prominenten gewonnen. Das war zugleich auch mein sportlichster Höhepunkt.

Eine Freundin/ein Freund möchte Sie für zwei Wochen in Bremen besuchen. Was soll sie/er unbedingt machen? Und was empfiehlt sich Ihres Erachtens gar nicht?

Die Schlachte und der Schnoor sind natürlich ein absolutes, wenn auch sehr touristisches Muss. Die Schlachte ist die historische Uferpromenade mit Blick auf die Weser, an der viel abwechslungsreiche Gastronomie angeboten wird. Der Schnoor ist ein mittelalterliches Gängeviertel in der Altstadt. Auch ein Trip nach Bremerhaven lohnt sich, denn im Bereich des modernisierten Hafens stapeln sich seit geraumer Zeit kulturelle Highlights wie das Auswanderer-Haus, das Klimahaus und der "Zoo am Meer". Ausgerechnet die Bremer Stadtmusikanten auf dem Marktplatz in Bremen sind dagegen eine kleine Enttäuschung. Der meist gehörte Satz an dieser Sehenswürdigkeit lautet: "Die hatte ich mir aber größer vorgestellt!"

Ihr Besuch möchte sich in Ihrem Sendegebiet ins Nachtleben stürzen. Wo schicken Sie ihn hin?

So etwas wie ein Nachtleben gibt es eigentlich nur im sogenannten „Viertel“ im Bremer Steintor. Da hat die ein oder andere Bar sogar nach Mitternacht noch auf. ;-)

Was zeichnet einen Hörer von Bremen Vier aus?

Er hat Spaß an skurrilen Aktionen, hat Humor und ist schlagfertig.

Warum sollte Bremen Ihren Sender hören?

Weil Bremen Vier seine Hörer ernst nimmt und sich die Macher Mühe geben, bei der Umsetzung von Themen und Spielen nicht den erstbesten und naheliegendsten Weg zu gehen.

Bei welcher Radio-Werbung hören Sie genauer hin?

Sehr unterhaltsam sind fast immer die Spots, die für Radio-Werbung werben.

Was macht die Radio-Landschaft im Norden so reizvoll?

Weil die Menschen, die hier leben, erstaunlich uneitel sind und über ein gesundes Maß an Selbstironie verfügen.

Warum und wie bleibt Radio trotz der Konkurrenz durch neue Medien ein wesentliches Kommunikationsmedium?

Weil es live sendet. Der Moderator begleitet den Hörer hier und jetzt. Und weil es schnell ist und im Fall von Bremen Vier sehr regional informiert.

Drei Songs, die ein echter Radiomacher kennen/spielen/lieben muss? Und einer, den man gern abschaffen könnte?

„Feel“ von Robbie Williams, "Mensch" von Herbert Grönemeyer und "Haus am See" von Peter Fox.
„Girl on fire“ von Alicia Keys darf meinetwegen verschwinden.

Welches ist die peinlichste CD/mp3 in Ihrer Sammlung?

„Reim“ von Matthias Reim. Sogar handsigniert. Ich will nicht darüber sprechen.

Was halten Sie für den nächsten Trend aus dem Norden?

Die plötzliche Erweiterung der Songauswahl.

Nennen Sie uns Ihren ganz persönlichen musikalischen Geheimtipp!

Die Musik von Astrid North (Ex-Cultured-Pearls).

Mal abgesehen vom Meer und von den großen Städten – welchen Ort muss man im Norden unbedingt besucht haben?

Das kleine Örtchen Niens in Butjadingen, weil man mich da allen Ernstes 2001 zum Ehrenbürger ernannt und einen Trampelpfad zur Jens-Uwe-Krause-Allee benannt hat.