alsterradio: Anna Olma

Wir lassen den Weichspüler weg.

Name: Anna Olma
Moderatorin, Reporterin und Redakteurin seit:  seit: 2003
Sender: alsterradio

Der siebenjährige Sohn einer Freundin fragt Sie, was Sie eigentlich so beim Radio machen. Was antworten Sie ihm?

Ich mache so etwas wie Karla Kolumna: Ich fahre herum und erzähle von den Dingen, die ich sehe. Außerdem sorge ich mit selbstgebackenen Kuchen dafür, dass niemand eine Bikini-Figur bekommt.

Ein Tag als Redakteurin/Reporterin/Moderatorin: Wie sieht der aus?

Morgens lese ich zuerst Zeitung, um herauszufinden, welche wichtigen Termine anstehen. Dann werden diese redaktionell aufgearbeitet und ich schreibe Texte für die Moderatoren. Außerdem werden tagsüber im Team wichtige Fragen geklärt, zum Beispiel: „Ist der Kaffee frisch?“, „Wo machen wir heute Mittag?“, „Hast Du noch eine Vorlage für einen Urlaubsantrag?“

Wenn Ihr Radiosender ein Raumschiff wäre, was wäre dann Ihre Funktion als Besatzungsmitglied? Und warum?

Entweder die, die im Raumschiff-Keller die Hühner versorgt, oder Köchin. Oder, halt, nein: Captain natürlich.

Die fünf wichtigsten Eigenschaften für eine gute Moderatorin?

1. Man braucht einen ordentlichen „Hau wech“, wie man hier in Hamburg sagt. Das bedeutet nicht, dass man viel trinken kann, sondern, dass man einen leichten Schaden hat.
2. Man muss es toll finden, morgens nicht zu wissen, was mittags passiert und wo man sich eventuell befinden wird (spontane Reportage-Einsätze).
3. Ohne Punkt und Komma stundenlang am Stück reden können, ohne eigentlich zu wissen, worüber.
4. Die Fähigkeit, Wörter zu erfinden und diese glaubwürdig einzubringen, ist ebenfalls von Vorteil. („Ja, das ist ein eingeschlossener Anglizismus.“)
5. Ein Diplom in Musikwissenschaften (kann man online ausdrucken).
6. Zählen können.

Ein liebgewonnenes Ritual in Ihrem Beruf?

Den firmeninternen Geburtstagskalender im Auge haben, damit man immer weiß, an welchen Tagen es Kuchen gibt und man kein Frühstück mitnehmen muss.

Ein ganz persönlicher Radio-Moment in Ihrem Leben? (Er muss nicht unbedingt aus der jüngsten Vergangenheit stammen.)

Mein erster Programmdirektor sagte nach meinem Praktikum zu mir: „Anna, du bist total bekloppt und denkst völlig neben der Spur. Das finden wir gut, wir würden gerne weiter mit dir zusammenarbeiten.“

Eine Freundin/ein Freund möchte Sie für zwei Wochen in Hamburg besuchen. Was soll sie/er unbedingt machen? Und was empfiehlt sich Ihres Erachtens gar nicht?

Unbedingt machen: Bitte eigene Bettwäsche mitbringen.
Unbedingt lassen: „Moin moin“ sagen. Damit wird man gleich als Tourist enttarnt. Echte Hamburger sagen entweder „Moin“ oder nicken nur kurz zur Begrüßung. Bei großer Sympathie sagt man „Tach“ dazu. Diesen Küsschen-links-Küsschen-rechts-Krams gibt’s hier nicht.

Wenn es ums Sightseeing-Programm geht: unbedingt eine Barkassenrundfahrt machen und vielleicht auch eine Kanutour auf den Alsterkanälen. Völlig überbewertet finde ich übrigens Franzbrötchen.

Ihr Besuch möchte sich in Ihrem Sendegebiet ins Nachtleben stürzen. Wo schicken Sie ihn hin?

Auf den Hamburger Berg ins Headcrash oder ab auf die Schanze. Auch die Thai Oase ist ein Erlebnis – keine Sorge, das ist „nur“ eine Karaoke-Bar!

Was zeichnet einen Hörer von alsterradio aus?

Er ist genauso Hamburg wie wir: auf den Punkt, weltoffen und derbe. Und sagt über sich selbst: Ik bün blied as en Klunnie im Tee!

Warum sollte der Norden alsterradio hören?

Weil unser Sender nichts glattbügelt. Dinge, die geil sind, nennen wir geil. Dinge, die scheiße sind, bezeichnen wir als scheiße. Wir lassen einfach den Weichspüler weg, ohne den andere Sender nicht mehr waschen können. Wir sind robust und verlässlich wie ein Frottee-Handtuch, das man seit 20 Jahren einmal die Woche bei 95 Grad in der Waschmaschine kocht und das immer noch hält. Andere Sender sind eher ein Kaschmir-Pulli mit Seidenanteil und handbestickter Glitzerapplikation: kann man nicht vernünftig waschen und eigentlich passt es nirgendwo dazu.

Bei welcher Radio-Werbung hören Sie genauer hin?

Bei Werbung, die mit folgendem Satz beginnt: „Hören Sie jetzt genau hin!“

Warum und wie bleibt Radio trotz der Konkurrenz durch neue Medien ein wesentliches Kommunikationsmedium?

Kein Medium ist schneller. Eine Nachricht kommt über den Ticker, ich drücke den Knopf und erzähle es den Hörern. Im Fernsehen muss erst ein Spruchband geschrieben und programmiert werden, Moderationen müssen für den Teleprompter vorbereitet werden … In der Zeitung steht es sogar erst einen Tag später! Und dem Internet kann man nicht wirklich trauen. Da kann jeder schreiben, was er will. Außerdem hat man das Radio immer dabei: im Auto, im Bad, in der Küche …

Drei Songs, die ein echter Radiomacher kennen/spielen/lieben muss? Und einer, den man gern abschaffen könnte?

1. REM: Losing my religion
2. John Miles: Music
3. Das gesamte Pet Sounds-Album

Welches ist die peinlichste CD/mp3 in Ihrer Sammlung?

Mir ist keine CD peinlich. Jeder Kauf hatte seinen Grund und seine Berechtigung.

Was halten Sie für den nächsten Trend aus dem Norden?

Die Augen und Ohren offen.

Nennen Sie uns Ihren ganz persönlichen musikalischen Geheimtipp!

Karolina Kingdom, Spaceman Spiff, Nick Drake (nicht Drake. NICK Drake!)

Mal abgesehen vom Meer und von den großen Städten – welchen Ort muss man im Norden unbedingt besucht haben?

Lüneburg! Die schönste Stadt der Welt liegt an der Ilmenau.