Der norddeutsche Humor

Identität mit vielen Facetten: Der norddeutsche Humor.

Die Identität des Nordens hat viele Facetten. Aber eine sticht heraus.  
Die Kommunikation untereinander ist im Norden besonders. Viele Worte müssen nicht gewechselt werden, um sich zu verstehen. Zu einer kompletten Konversation reichen zum Beispiel genau drei: "Moin", "Jo" und "Mmm". Dass im Norden auch der Humor ein wenig speziell ist, kann man sich vorstellen. Feinsinnigkeit und Hintergründigkeit sind die wichtigsten Zutaten des norddeutschen Humors.
Um beispielsweise einem Streit aus dem Weg zu gehen, kann man auch einen Witz machen, den der Gegner erst nach fünf Minuten versteht. So läuft das im Norden. Was in der Theorie als „leise und hintergründig“, „unverwüstlich realistisch“, „ohne viele Schnörkel“ und „grausam nüchtern“ bezeichnet wird, wird in der Praxis von – um nur ein paar Namen zu nennen: Heinz Strunk, Bjarne Mädel, Dittsche und Otto Waalkes – in vielfältigen Facetten repräsentiert.

Eine klassische Kostprobe vorab

Wenn von Humor die Rede ist, darf auch ein klassischer Witz nicht fehlen.
Ob erzählt oder aufgeschrieben – in diesem Beispiel dringt durch, wie trocken
im regenreichen Norden gewitzelt wird.

„Sach ma, warum spielst du mit Knud eigentlich keine Karten mehr?“
 „– Na, würdest du mit jemanden spielen, der dauernd schummelt?“
„Näh!“
„– Siehst du, ... Knud auch nicht.“

Radiosendungen zum Mitlachen

Auch ein paar Radiosender haben den typischen norddeutschen Humor im Angebot. Formate mit starken Charakteren, von denen man glaubt, sie so oder so ähnlich irgendwoher schon zu kennen. Starke Alltagsgeschichten oder philosophische Weisheiten – die Hörer sind begeistert.

„Günther, der Treckerfahrer“ 

Dietmar Wischmeyer alias Norddeutschlands bekanntester Treckerfahrer lässt sich bei ffn in Niedersachsens bester (und preisgekrönter) Morningshow nicht nur über das Leben auf dem Lande aus. Stets hält er auch immer eine Lösung für Bewegendes in Politik und Alltag bereit. Güllefahren an der Lehrersiedlung, Fortpflanzung beim Schützenfest und Ferkelkastrieren am Vatertag sind nur einige Aspekte ländlicher Folklore, die er dem begeisterten Radiopublikum näherbringt. 

„Wir sind die Freeses“  

Die Sitcom aus der Feder (und größtenteils auch eingesprochen) von Andreas Altenburg ist im NDR 2-Morgen mit Ponik und Petersen ein fester Bestandteil:
Als kultiger Start in den Morgen gibt es pünktlich um 7:17 Uhr die neue Folge aus dem Mehrgenerationen-Haushalt der Familie Freese. Die einzigartigen Charaktere im Einzelnen: die lasziv-zupackende Oma Rosi, Helikopter-Mama Bianca, der kleinen Zvenni sowie Untermieter und Labertasche Heiko.

„SV Büdelsbüttel 00“

Ein legendäres Highlight ist die vom NDR initiierte Internet-Serie SV Büdelsbüttel 00. Der Plot der Serie ist recht einfach: Der SV Büdelsbüttel 00 ist ein Fußballverein, der irgendwo in den Weiten der norddeutschen Tiefebene ein recht trostloses Dasein fristet. Als der lokale PET-Flaschenfabrikant und selbsternannte Selfmade-Millionär Rolf-Uwe Herzog auftaucht und sich dem Verein als Mäzen andient, kommt Bewegung in die Sache. Der NDR ist ganz nah dran am Geschehen und zeigt die kleinen Fortschritte und großen Rückschläge des SVB in einer lustigen Zeichentrick-Doku, die einen ein bisschen an Rödger Feldmanns (Brösel) „Werner“ erinnert.

Humor verkauft.

Wie heißt es so schön: „Lachen macht verliebt“. Und das wissen natürlich auch die, die etwas verkaufen wollen. Die Geschichte von Knud und den Karten ist nämlich nicht nur ein Witz, sondern auch gleichzeitig ein Werbespot. So geht das mit dem norddeutschen Humor. Die Flensburger Brauerei macht sich diese typischen Geschichten zu eigen und nutzt sie für Werbung. Die Spots in TV und Radio sind seit vielen Jahren Kult. Sie gewinnen Kreativpreise – und was viel wichtiger ist: sie verkaufen mit Witz und Charme das beworbene Produkt.

Grundzutat für die Werbespots: Zwei oder drei wortkarge Nordlichter sitzen zusammen und öffnen nach einer pointierten Geschichte mit einem spritzigen „Plopp“ ihre Bierflaschen. Eine Kostprobe: Hören Sie doch mal rein!