Heft 4

Torsten Maurer/Matthias Wagner/Hans-Jürgen Weiß

Programmprofile von Das Erste, ZDF, RTL, VOX, Sat.1 und ProSieben

Ergebnisse der ARD/ZDF-Programmanalyse 2020 -- Teil 1

Bei der Berichterstattung über Befunde von Fernsehprogrammanalysen im Untersuchungsjahr 2020 kommt man an der Coronakrise nicht vorbei. Die Frage für die diesjährige Programmanalyse war, ob sich aus der Krise auch strukturelle Auswirkungen auf die Programme ergeben haben. Bezogen auf das gesamte Jahr 2020 ist nur bei den beiden öffentlich- rechtlichen Hauptprogrammen Das Erste und ZDF eine berichtenswerte Zunahme der journalistischen Informationsangebote festzuhalten. Die größten Veränderungen zwischen 2019 und 2020 betrafen entgegen der Erwartung allerdings nicht den Informationsbereich, sondern quantitative Verschiebungen zwischen den Unterhaltungssparten der vier privaten Fernsehprogramme: Bei RTL, Sat.1 und ProSieben gab es Zuwachsraten bis zu knapp 4 Prozentpunkten in der nonfiktionalen Unterhaltung zu Lasten fiktionaler Programmangebote, bei VOX umgekehrt zu gut 4 Prozentpunkten mehr Fiction und weniger nonfiktionale Unterhaltung.

Das zentrale Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden öffentlich-rechtlichen und den vier privaten Fernsehprogrammen ist nach wie vor, dass Das Erste und das ZDF den journalistischen Informationsangeboten in ihrem Programmspektrum die quantitativ höchste Priorität einräumen. Im Ersten Programm hatten sie 2020 einen Anteil von 43 Prozent an der gesamten Sendezeit, beim ZDF waren es 45 Prozent. Bei den Programmangeboten von RTL und VOX nahm die nonfiktionale Unterhaltung (hier insbesondere das Reality-TV) mit 41 bzw. 32 Prozent den jeweils ersten Rang ein. Bei Sat.1 hatten nonfiktionale Unterhaltungsangebote und Reality-TV-Formate einen Anteil von 45 Prozent an der gesamten Sendezeit. Bei ProSieben lag Fiction mit einem Anteil von 58 Prozent an der Spitze.

In der Coronakrise spielten aktuelle Sondersendungen eine große Rolle. Etwa 60 Prozent der 2020 insgesamt für dieses Format ermittelten Sendezeit entfielen auf Sondersendungen im Ersten und im ZDF. Das ZDF kam mit diesem Format 2020 auf ca. 44 Programmstunden, das Erste auf 31 Programmstunden. Bei den privaten Programmen überraschte der vergleichsweise große Umfang der Sondersendungen bei ProSieben (ca. 28 Stunden). ProSieben übertraf damit RTL (15 Stunden) um fast das Doppelte und lag weit vor Sat.1 (ca. 6 Stunden).

 

MP 4/2021, S. 240-266



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