Heft 12

Sascha Hölig/Uwe Hasebrink

Nachrichtennutzung und soziale Medien

Befunde aus dem Reuters Insitute Digital News Survey 2018

In diesem Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse aus dem Digital News Report 2018 vorgestellt, die Aufschluss über die aktuelle Situation und längerfristige Trends der Nachrichtennutzung in Deutschland geben. Die Studie wurde koordiniert vom Reuters Institute for the Study of Journalism, Oxford, und zeitgleich in 37 Ländern realisiert. Pro Land wurden 2018 rund 2 000 Personen befragt. Insgesamt basiert die Studie in der sechsten Wiederholung auf 74 194 Befragten.

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Nachrichtennutzung in Deutschland noch immer relativ traditionell erfolgt: Im Vergleich der 37 Länder liegt Deutschland, bezogen auf die Anteile der Bevölkerung, die das Internet als ihre wichtigste Quelle erachten, auf dem vorletzten Platz. Die am weitesten verbreitete und wichtigste Quelle, um sich über das Weltgeschehen zu informieren, ist nach wie vor das lineare Fernsehen. Knapp jeder zweite Befragte nennt das Fernsehen als wichtigste Nachrichtenquelle. Allerdings weist das Fernsehen eine leicht rückläufige Tendenz auf, während das Internet als Quelle für Nachrichten für zunehmende Bevölkerungsanteile relevant wird. Für knapp jeden dritten Onliner ist das Internet das hauptsächlich verwendete Nachrichtenmedium. Aber auch hier sind die Onlineangebote der traditionellen Anbieter aus dem Rundfunk- und dem Printsektor die zentralen Anlaufstellen. Ihre Nutzung wird in vielen Fällen durch Informationen aus sozialen Medien ergänzt.

Die Bevölkerungsanteile, die sich ausschließlich aus sozialen Medien informieren, sind in allen Altersgruppen klein. Insbesondere Facebook hat in den vergangenen Jahren in dieser Funktion an Reichweite verloren. Ergänzend dazu verdeutlichen die vergleichsweise geringen Anteile an Internetnutzern, die in Deutschland journalistischen Angeboten in sozialen Medien folgen oder für weiterführende Informationen auf die geposteten Links klicken, dass Facebook, YouTube und Co. hauptsächlich für andere Zwecke als für Informationen über das aktuelle Weltgeschehen verwendet werden.

Bemerkenswert ist der erneute bestätigte Befund, dass der Anteil der Onliner, die sich in sozialen Medien zum Nachrichtengeschehen äußern, auf einem geringen Niveau stabil und in allen Altersgruppen ähnlich groß ist. Darüber hinaus zeigt sich, dass sich eher diejenigen äußern, die sich selbst an den Rändern des politischen Spektrums verorten und/oder kein Vertrauen in die Nachrichtenberichterstattung haben.

 

MP 12/2018, S. 574-582



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