Heft 12

Udo Michael Krüger

Der Brexit in den deutschen Fernsehnachrichten

Analyse der Berichterstattung zum britischen Referendum am 23. Juni 2016

Die Sonderauswertung des InfoMonitors befasst sich mit der Berichterstattung in den deutschen Fernsehnachrichten zum britischen Referendum über einen Austritt aus der EU im Juni 2016 und seinen mehrjährigen Vorlauf.  Dabei geht es um die Fragen, wie umfangreich das kontroverse Thema „Brexit“ von den verschiedenen Nachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 behandelt wurde, welche inhaltlichen Schwerpunkte dabei gesetzt wurden, welche Akteure eine Rolle spielten und welche Argumente und Meinungen angeführt wurden. 

Die deutschen Fernsehnachrichten hatten sich bis zur Schlussphase des Wahlkampfs für das Referendum eher sporadisch mit dem Thema Brexit befasst. Die öffentlich-rechtlichen Hauptnachrichten berichteten seit 2013 etwas umfangreicher über das Thema als die privaten, die beiden öffentlichrechtlichen Nachrichtenmagazine berichteten etwa doppelt so umfangreich wie jede der vier Hauptnachrichtensendungen. 

Die herausragenden Themenschwerpunkte der Brexit-Berichterstattung waren die EU-Politik, die britische Innenpolitik und der Brexit allgemein mit seinen vermuteten Ursachen und Folgen. Eine wichtige Rolle spielten ferner die langfristig laufenden Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien.

In der Berichterstattung spiegelten sich grundsätzlich die unerschiedlichen Argumentationsschwerpunkte der Brexit-Befürworter und -Gegner wider. Die Pro-Remain-Position war insgesamt in den Nachrichten stärker vertreten als die Pro-Brexit-Position. Dies basierte hauptsächlich auf den Aussagen von Politikern und Bürgern sowie von Sachexperten, während Journalisten größtenteils eine neutrale Rolle einnahmen.

Generell zeigt sich in der Brexit-Berichterstattung ein hoher Grad an Personalisierung,  fokussiert auf den britischen Premierminister David Cameron, der die höchste Präsenz vor der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Camerons wichtigstem britischen Kontrahenten, Boris Johnson, hatte. Die Nachrichtenpräsenz der Spitzenpolitiker europäischer Institutionen und Deutschlands stieg direkt nach der Abstimmung sprunghaft an, und es wurden verstärkt die negativen Folgen für Großbritannien und die EU thematisiert.





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