Heft 10

Heinz Gerhard/Stefan Geese

Die Fußball-Europameisterschaft 2016 im Fernsehen

Daten zur Rezeption und Bewertung

Die Fußball-Europameisterschaft ist neben der Fußball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen eines der zuschauerattraktivsten sportlichen Ereignisse im Fernsehen. Bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich reagierten die übertragenden Sender Das Erste, ZDF und Sat.1 auf das hohe Zuschauerinteresse mit einer umfassenden Berichterstattung. Erstmals nahmen an der EM-Endrunde in Frankreich 24 Mannschaften teil – im Vergleich zu  den vorhergehenden Turnieren mit 16 Teams. Dadurch erhöhte sich die Anzahl der übertragenen Spiele auf 51. Das Erste und das ZDF verwendeten infolgedessen mit rund 140 Sendestunden mehr Sendezeit auf Live-Übertragungen und Begleitberichterstattung als beim letzten Turnier 2012. Sat.1 – das erstmals sechs zeitgleich laufende Spiele der Vorrunde zeigte – kam insgesamt auf rund 17 Sendestunden.

Mit insgesamt 59,79 Millionen Zuschauern folgten noch nie so viele Zuschauer einer Fußball-EM wie 2016. Rund 79,6 Prozent des gesamten Publikumspotenzials schauten sich mindestens ein Spiel des Turniers an. Im Durchschnitt sahen 13,06 Millionen Zuschauer eines der 45 Live-Spiele im Ersten Programm und im ZDF (durchschnittlicher Marktanteil 49,7 %), 1,59 Millionen (Marktanteil 5,6 %) schalteten die Übertragungen von Sat.1 ein. Im Vergleich zur EM 2012 fielen die durchschnittlichen Akzeptanzwerte etwas niedriger aus. Die etwas weniger zuschauerfreundlichen Anstoßzeiten einiger Spiele, die um 15.00 Uhr ausgestrahlt wurden, zeigten hier Wirkung. Auch das große Interesse an den Leistungen der deutschen Mannschaft schlug sich in einem neuen Rekordwert nieder. Die sechs Begegnungen der deutschen Mannschaft im Ersten und im ZDF sprachen mit 27,71 Millionen im Schnitt mehr Zuschauer an als bei allen bisherigen Europameisterschaften. 

Neben der Fernsehnutzung zu Hause spielt bei Übertragungen von Fußball-Welt- oder Europameisterschaften auch das Public Viewing eine wichtige Rolle. Bei der EM in Frankreich sahen bis zu 7,9 Millionen Zuschauer ein Spiel außerhalb der eigenen vier Wände. Damit ist erstmals seit 2004 eine rückläufige Entwicklung beim Public Viewing zu erkennen.

Insgesamt war das Fernsehpublikum ausgesprochen zufrieden mit der Berichterstattung über die Fußball-EM im Ersten und im ZDF. 73 Prozent (Das Erste) bzw. 70 Prozent (ZDF) bewerteten die Live-Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender in einer zusätzlichen Befragung als „sehr gut“ oder „gut“. Die Programmleistung von Sat.1 empfanden 49 Prozent als mindestens „gut“. Die wichtigsten Faktoren für das wohlwollende Gesamturteil für das Erste und das ZDF waren die professionelle Machart der Live-Übertragungen, die hohe Qualität der Übertragungen sowie das Gefühl, umfassend informiert zu werden. 91 Prozent der Befragten sprachen sich infolgedessen dafür aus, dass „ARD und ZDF auch in Zukunft von der Fußball-EM berichten“ sollen, nur 5 Prozent meinten, dies solle „lieber den Privatsendern überlassen werden“.


MP 10/2016, S. 491-500



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